Die Zeit rinnt dahin

Huijuijui, wir haben ja schon ewig keinen Blogeintrag mehr geschrieben. Schlimm ist das, aber wir sind einfach nicht dazu gekommen, denn in den letzten 10 Tagen sind wir die gesamte westliche Küste der Südinsel abgefahren und sind mittlerweile am fast südlichsten Punkt Neuseelands angelangt.

Wo waren wir denn stehengeblieben? Aja in der Bibliothek von Takaka…

Am nächsten Morgen fuhren wir zur Anatoki Salmon Farm, wo wir – wie ihr es schon auf den Fotos schon sehen konntet – Lachsfischen waren. Man kann sich dort einfach eine Angelausrüstung – gratis – nehmen und dann sich den besten Fisch aus dem Teich holen. Je nachdem wie groß der Fisch ist – soviel zahlt man dann. (Kilopreis 21 NZD). Das klingt ja sehr verlockend, doch mir war ja nicht ganz bewusst, dass man den Lachs dann auch töten muss – was ja irgendwie logisch ist. Deshalb hab ich das Ganze gleich dem Michi überlassen, ich würde mich dann ums Verzehren des Edelfisches kümmern.

Auch das Angeln selbst gestaltete sich nicht so einfach wie gedacht, aber nach ca. einer halben Stunde – was sehr sehr lange ist, wenn man bedenkt, dass der Teich überfüllt mit Lachsen ist. Habens wirs – Michi – dann doch geschafft und einen 1,4 kg Burschen an Land gezogen. Michi hat dann dem Lachs sein Ende bereitet und musste noch die nächsten Tage immer wieder an den grausigen Mord denken.

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Aber es hat sich ausgezahlt – es war der beste Lachs den wir je gegessen haben! Er war einfach nur der Wahnsinn, der Hubert. Danke Hubert an dieser Stelle noch einmal, dass du dein Leben für uns gelassen hast – vielleicht liest du das ja jetzt im Fischhimmel.

Danach machten wir noch einen kleinen Abstecher zu den saubersten Quellen Neuseelands. Dort erwarteten uns glassklare kleine Bäche, die man nicht einmal berühren durfte, weil das Wasser darin so heilig war.

Nach einem kurzen Ausflug nach Nelson – zum zweiten Mal in diesem netten Örtchen – machten wir uns endlich auf den Weg an die West Coast. Wo wir hofften endlich die Einsamkeit und Rauheit der Natur zu spüren und zu erleben. Leider waren wir da nicht die Einzigen die so dachten, was wir bald merken sollten.

In Westport wirkte noch alles etwas verschlafen und wir hatten noch Hoffnung. Auch als wir  am Cape Foulwind einen Spaziergang zu unseren ersten wilden Robbenkolonie machten, waren wir überrascht, dass hier gar nicht so viele Menschen waren. Denn die Robben waren der Wahnsinn, abgesehen davon, dass sie wie wild stinken. Warum müssen süße Tiere eigentlich immer stinken – man denke an die Koalabären ? Aber es war richtig unterhaltsam ihnen zuzusehen, wie sie sich genüsslich in der Sonne von einer Flosse auf die andere wälzten. Andere Seals waren richtig aktiv und kämpften um die Aufmerksamkeit der Robbendamen und die Jungen spielten in der Brandung. Und wir konnten das alles von einer Plattform, die nur 12m über der Kolonie war – bestaunen. Wirklich ein tolles Erlebnis.

In Punakaiki war dann klar – das wird nix mehr mit der Ruhe. Ganze Busse von Touristen wurden zu den Pancake Rocks angekarrt – voll mit Asiaten. Das war dann das eindeutige Zeichen dafür, dass es hier überall von Touristen wimmeln würde. Aber ganz ehrlich wir waren schon ein wenig naiv, dass wir glaubten, wir wären die Einzigen, die sich diese wunderschöne Landschaft ansehen würden. Außerdem erzählt einem jeder, dass man unbedingt auf die Südinsel muss, also war es logisch, dass hier alle anderen auch sein würden.

Die „Palatschinken Felsen“, die ihren Namen ihrem Aussehen zu verdanken haben, waren dennoch sehr interessant. Es ist immer wieder erstaunlich was die Natur so hervorbringen kann. Von den „Spritzlöchern“ bekamen wir nicht so viel mit, denn es war Ebbe und so wurde kein Wasser durch die Felslöcher in die Luft geschleudert.

Wirklich überrascht waren wir vom Truman Track. Dieser Weg wird immer wieder als der beste Kurz-Spaziergang in ganz Neuseeland bezeichnet, aber wir vertrauten dem nicht ganz. Weil was konnte an einem 15min Spaziergang schon so toll sein? Aber diese 15min hatten es in sich, zuerst ging man durch Regenwald, dann folgte eine Art Gestrüpp und dann landete man an einem wunderschönen wilden Strand. Das Wasser preschte an die Felsen und die Wellen waren so hoch, dass klar war, warum man da nicht schwimmen gehen durfte. Sehr schön.

In Greymouth sammelte sich dann die ganze Touristenmasse beim Countdown und bei der I-Site um letzte Vorräte und Informationen, für die ach so einsame West Coast zu sammeln. Wir hingegen entdeckten an der Mündung des Grey River ein wahres unentdecktes Juwel. Nur zwei oder drei Einheimische, waren hier ganz draußen auf den Pier gefahren und wir. Dort wo das Süßwasser ins Meer floss, sah man 100te (und diesmal übertreib ich wirklich nicht!) Hektor Delfine die in den Wellen sprangen und spielten. Es war so beeindruckend. Sie schwammen sehr knapp am Pier vorbei und am liebsten wäre ich zu ihnen runtergesprungen, um mit zu spielen.

Wir beobachteten die Tiere eine gute Stunde und dann war klar, dass wir auf keine Delfin-Tour mehr gehen mussten, denn viel näher würde wir sie nicht mehr sehen. Und auch dieses Erlebnis war gratis und das Beste: Wir waren ganz allein =)

Unser nächster Ausflug führte uns ins Inland auf den Arthur’s Pass. Dieser ca. 100km Umweg zahlte sich jedoch voll und ganz aus. Auf dem ersten Rastplatz schon bekamen wir Keas – die einzigen alpinen Papageien zu sehen ! Wer hätte sich gedacht, dass man in einer solchen Berglandschaft plötzlich einen laut schreienden Papagei am Dach seines Autos sitzen hat, der einfach nicht mehr runter geht?

Der gratis DOC-Campingplatz inmitten von tausenden bunten Alpenblumen und umgeben von Bergen mit schneebedeckten Gipfeln war dann das krönende Highlight. Das uns nicht einmal die wirklich extrem lästigen Sandflys ruinieren konnten. Hier fühlte man sich wirklich ein wenig wie zuhause. Vielleicht nicht wie in Graz, aber so ähnlich musste es in einem Tirolertal sein, wenn dort halt keine Menschen leben würden. Wir waren so gut wie allein auf diesem Pass und so hatten wir endlich unsere lang ersehnte Einsamkeit gefunden.

Am nächsten Tag ging’s jedoch wieder in die Realität und zurück auf die „Küstenautobahn“. In Hokitika machten wir uns auf die Suche nach einem Stück perfekt geschliffener Jade. Doch bald stellte sich heraus, dass die Preise einfach viel zu hoch waren und es sich nicht auszahlte in Neuseeland Jade zu kaufen. Ich hätte doch in Asien zuschlagen sollen.

Um ein wenig reicher zu werden fuhren wir nach Ross, um mit meiner zuvor gekauften Goldwaschschüssel, Gold zu waschen. Wir waren wirklich motiviert und ich hatte schon die Klunker in den Augen, ich konnte den Reichtum quasi riechen, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Nach einem ersten erfolglosen Goldwaschversuch, fing es an wie aus Eimern zu schütten. Wir mussten das Unterfangen „Goldrausch“ also abbrechen.

Der Regen begleitete uns jetzt schon seit 2 Tagen und sollte auch die nächsten Tage kein Ende finden.

Wir fuhren also zügig durch den weinenden Himmel Richtung Gletscher. Peinlicherweise muss ich als Österreicherin ja zugeben, noch nie einen Gletscher gesehen zu haben. Aber wenigstens sollte der erste, den ich sehen würde, von Österreichern entdeckt worden sein und sogar nach Kaiser Franz Josef benannt sein. Wir warteten am Parkplatz des Gletschers kurz auf einen Funken Sonnenschein und spazierten dann ins Gletschertal. Diese Eismassen waren wirklich sehr beeindruckend und wir hatten Glück und es fing erst wieder am Rückweg zu regnen an.

Der Franzl hatte also gemerkt, dass Landsleute da waren und wollte sich daher von seiner besten Seite präsentieren. Der Fox Gletscher, meinte es hingegen nicht so gut mit uns. Denn kaum waren wir am Aussichtspunkt angekommen – fing es an zu hageln! Ich hatte Gott sei Dank meine Regenjacke an und wurde so nur an den Beinen nass. Michi hingegen war klatschnass. Als ich wieder zum Auto flüchtete, um in warmes trockenes Gewand zu schlüpfen, ging Michi noch ein wenig mehr bergauf um einen besseren Blick aufs Eis zu bekommen.

Der Weg den er ging, war 10min zuvor noch Touristen mit Führung vorbeihalten, doch als die Tour-Gruppe, das Schild gesehen hatte und glaubte nicht umsonst ein Vermögen bezahlt zu haben, wurde das Schild „Beyond this point just for guided tours“ wieder weggeräumt und Michi konnte ungehindert raufspazieren.

Als er wieder unten bei dieser Abzweigung ankam, wurde das Schild gerade wieder aufgestellte, weil die nächsten Touren im Anmarsch waren. Haha – was für eine Frechheit ist das eigentlich? Da glauben die armen Touristen sie machen was besonderes, nehmen sich extra einen Guide, um den „besonderes gefährlichen Weg“ zu gehen, bezahlen dafür und dann dürfte eigentlich jeder diesen Weg gehen! Bin ich froh, dass wir keine Tour gebucht haben.

Anders als gehofft war auch im nächsten Ort Haast  das Benzin unverschämt teuer und das Wetter nicht besser.

Doch bei unserem nächsten größeren Ziel Wanaka, wurden wir mit wunderbarem sonnigen Kaiserwetter empfangen. Die Region war wunderschön. Überall riesige Seen, die an hohen Bergen mit Schneegipfeln anschließen. Wenn man ein wenig Glück hat, sind die Seen spiegelglatt und man kann die Spiegelung der Berge darin erkennen.

Wanaka war zwar auch sehr überlaufen von Touristen, wirkte aber dennoch sehr entspannt und angenehm. Wo man jedoch wirklich merkte, dass der Ort von Touristen bevölkert war, waren die Preise und dass es nicht mal in der Bibliothek gratis Wifi gab.

Doch mit der Sonne kam der Stress, denn jetzt hatten wir die Möglichkeit den sonst so regnerischen Millford Sound bei schönem Wetter zu erleben. Diese Chance wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so fuhren wir rasch weiter wieder Richtung Westen nach Queenstown – der Touristenhochburg.

 

Anders als in anderen Tourstienorten, war hier aber nicht vor allem Outdoor-Liebhaber und Wanderer in Trekkingmontur zu sehen, sondern aufgestylte, partywütige, aktiongeile (sorry für den Ausdruck), junge Touristen, ach und Asiaten. Wir hatten ja schon zuvor gehört, dass Queenstown die Actionhochburg Neuseelands ist, aber es war wirklich „extrem“. Die Stadt war trotzdem irgendwie sympathisch, auch wenn wir uns nicht ganz mit den schon um 5 am Nachmittag betrunkenen jungen Menschen identifizieren konnten und uns auch nicht von irgendeiner Brücke, nur an einem Seil befestigt, herabstürzten wollten. Es war wirklich nett hier. Eine angenehme interessante Atmosphäre. Aber wie gesagt, wir hatten Stress und mussten weiter.

Wir entschieden uns gegen eine durchorganisierte Tour von Queenstown aus und machten uns selbst auf den kurvenreichen Weg zum Milford Sound. Die Straße an sich war ja schon ein Highligt. Aber die Mini-Kreuzfahrt, die uns am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein erwarten würde, übertraf alles. Es war einfach nur der Wahnsinn. Ich kanns gar nicht anders ausdrücken. Schneebedeckte Berge – ja wiedermal beeindruckende Schneeberge – die direkt aus dem Meer ragen, Wasserfälle, die 100te Meter von diesen Bergen ins Meer fallen und Robben die in der Sonne faulenzten.

Es war ein wunderschöner Ausflug. Wir hatten die billigste Tour um 75 NZD (für zwei!!) genommen und bereuten es überhaupt nicht. Alle Boote fuhren die gleiche Route, die einen schneller die anderen langsamer. Aber alle bekamen das gleiche zu sehen. Es hätte also keinen Grund gegeben eine teurere Tour zu nehmen. Wir waren einfach überwältigt. Wenn die Fotos kommen, werdet ihr wissen was ich meine.

Vollgesogen mit neuen Eindrücken machten wir uns auf den Rückweg, der auch noch so einiges zu bieten hatte. Die Straße nach Te Anau ist überseht mit Naturhighlights. Wir wanderten ca. 2 Stunden durch die Gertrude Valley, die mit Abstand den schönsten Wanderweg bis jetzt zu bieten hatte und wir stiegen ca. 2 Stunden und 20 Minuten auf (und später wieder runter) den Key Summit, von wo aus man einen hervorragenden Blick auf die umliegenden Berge hatte und man einen guten Einblick in die neuseeländische Alpinlandschaft und deren Flora bekam.

Ich könnte noch viel mehr dazu schreiben und vor allem wie wunderbar es alles war. Aber selbst dann wären es zu wenig Worte um festzuhalten, wie überwältigt wir waren. Überwältigt ist genau das richtige Wort.

Gestern dann ging es Richtung Süden und da sind wir nun in einem Ort mit „I“, der genauso schlecht zu merken ist, wie viele andere Ortsnamen in Neuseeland. Er liegt etwas nördlich von Bluff – was ein einfacher Name ist. Ok, ich schau nach wie er heißt – Invercargill – heißt er.

Weniger als 2 Wochen haben wir noch unseren Camper, die Zeit rinnt dahin. Bis dahin wollen wir noch die Ostküste erkunden und bis zum Mount Cook ins Landesinnere fahren. Vielleicht gelingt es uns auch noch lebende Pinguine zu sehen und ein Schaf einzufangen. Wir werden sehen, was die kommenden Tage, die leider verregnet sein werden, für uns bereithalten.

 

 

3 Gedanken zu „Die Zeit rinnt dahin“

  1. Hatte Euch heut morgen nicht mehr gesehen…
    Hoff, das Kopweh war nicht zu arg 😉
    Hab’s gestern noch noch geschafft, meinen Kajaker-Blog zu aktualisieren! 🙂
    War nett, Euch kennengelernt zu haben und mal gespannt, ob man sich mal wieder trifft! Gute Rest-Reise und Start zu Hause.
    Vielleicht irgendwann mal in Nürnberg?!
    Viele Grüße
    Peter

  2. Kaum zu glauben, dass deine Reise bald zu Ende sein soll… in 2 Wochen sehr ich dich ja wieder, nach 7 Monaten, es kam mir gar nicht so lang vor und ich habe mich schon richtig daran gewöhnt, deine Fotos zu bestaunen und die Blogeinträge eifrig mitzulesen. Mach dir noch schöne 2 Wochen und ganz viele Erinnerungsfotos, die du mir dann in Graz zeigen musst.
    Kommst du eig. am 22 oder am 23?

    Liebe Grüße
    Schwesterlein :*

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