Einfach „magical“ – Unser Weg auf die Südinsel

Ich versuche mich einmal zu erinnern was wir seit dem letzten Eintrag alles so erlebt haben, aber es könnte schwierig werden, denn es war eine Menge.

Eines der Highlights bis zum heutigen Tag war mit Sicherheit das „Tongariro Alpin Crossing“. Schon die Fahrt zum Tongariro National Park war wunderschön. In Taupo machten wir letzte Besorgungen für unsere erste größere Wanderung. Denn in den Bergen konnte es ja ziemlich kalt werden und daher kauften wir uns noch Handschuhe und ich mir endlich meine heiß ersehnte Merinounterhose. Schon in diesem Ort konnte man sehen, dass alles auf Wanderer ausgelegt war und Touristen waren ganz leicht an ihrer Outdoorkleidung zu erkennen. Überall sah man abzippbare Trekkinghosen, Funktionshemden, Merinopullis, Trekkingschuhe und Deuter-Rucksäcke. Wobei letztere auf deutsche oder österreichische Staatsbürger hinwiesen. Man konnte also richtig fühlen, dass man endlich an einem Ort war, an dem die ganze High-Tech Kleidung zum Einsatz kommen würde. Zwar sieht man diese Outdooroutfits in ganz Neuseeland, aber in Taupo erreichte dieser Modetrend seinen Höhepunkt.

Die Outdoorler und die Möchtegern-Wanderer ganz unter sich. Taupo liegt direkt am wunderschönen Lake Taupo, einem riesigen, eiskalten – ich habs getestet – windigen See(eigentlich ist er ein rießiger mit Wasser gefüllter Vulkankrater). Wir sind entlang des östlichen Ufers Richtung Süden zu unserem „Basecamp“ gefahren.

Auf dem Campingplatz war es schon deutlich kälter, als an anderen Orten zuvor und daher konnte ich in der Nacht gleich mal meine Merinounterhose testen. Ich muss ja zugeben, dass ich ein wenig nervös war. Das Alpin Crossing war zwar nur eine 8stündige Wanderung, aber schon das Wort „Alpin“ machte mir ein bisschen Sorgen. Man hörte immer wieder, dass das Crossing von vielen Wanderern unterschätzt wird, dass mit dem Wetter nicht zu spaßen sei, man für jede Situation gerüstet sein sollte und das viel zu viele Spaziergänger dort oben unterwegs wären. Jetzt war ich mir nicht ganz so sicher, ob ich nicht vielleicht auch so ein Spaziergänger war.

Zwar sind wir auf der Reise schon länger herumgestiefelt, aber 8 Stunden auf einen Berg gestiegen mit teilweise sehr kalten Winden, sind wir bis jetzt noch nicht. Auch meine Kleidung kam mir sehr angemessen vor – wie gesagt, ich hatte Respekt vor der Wanderung und wollte sie auf keinen Fall unterschätzen – daher waren wir sicherlich top ausgerüstet. Aber vielleicht war die Wanderung an sich zu schwer für mich?

Mit meinen Sorgen war ich natürlich gänzlich allein – weil Michi hatte keinerlei solche Befürchtungen. Als wir uns am nächsten Morgen um 5 Uhr die Weckerl richteten merkte ich, dass ich mich auf meine Kleidung tatsächlich verlassen konnte, denn mir war nicht kalt und ich musste nichtmal alle Jacken anziehen – obwohl sogar das Auto zugefroren war. Es war also wirklich kleschkalt.

Wir fuhren zum Endpunkt der Wanderung, um uns von dort mit einem Bus zum Ausgangspunkt des Alpincrossing bringen zu lassen (30 NZD pro Person). So hatten wir während der Wanderung keinen Stress, dass wir rechtzeitig zum Bus mussten und konnten uns Zeit lassen. Viele Wanderer machen es andersum – also lassen sich am Ende des Tages zurück zum, Anfangspunkt bringen, oder lassen sich gleich im Hotel abholen und dorthin wieder zurückbringen. Das Ganze hätte gleich viel gekostet, aber wie gesagt, wir wollten stressfrei herumstiefeln.

Um 7.20 Uhr konnten wir dann endlich los marschieren mit 30 anderen. Aber es verlief sich schnell und bald sah man die anderen nur noch von Weitem. Mein Ziel war es, schneller als die Tafeln zu sein. (Auf den Tafeln stand für jede Etappe eine Zeitangabe, die wollte ich unterbieten). Das war aber zum ersten Mal in Neuseeland gar nicht so leicht, die Zeiten stimmten tatsächlich.

Schon seit ein paar Tagen, nervte mich der Michi damit, dass er auf den „Mount Doom“ steigen wollte, also auf den Mount Ngaurahoe (2287m). Jedoch stand in jeden Prospekt und es wurde uns extra noch einmal im Bus gesagt, dass diese Besteigung „extremely dangerous“ sei und man es nur versuchen sollte wenn man schon viel Erfahrung hat.

Außerdem muss man weitere 3 Stunden für Auf- und Abstieg einplanen, also kommt man im ganzen auf bis zu 12 Stunden. Das machte mir schon ein wenig Angst. Außerdem sah ich mich schon vorher in der Situation, in welcher wir am Fuße dieses Berges stehen würden und zu diskutieren anfangen würden, ob es jetzt sinnvoll wäre oder nicht da hochzukraxeln.

Aber es kam anders als gedacht. Als ich den Berg sah – sah es gar nicht mehr so schlimm aus und Michi musste mich nicht lange überzeugen. Wir gingen also tatsächlich da rauf. Und es war schrecklich. Ca. 30min vor dem Gipfel wurde mir endgültig bewusst, dass ich da oben nichts verloren hatte. Zwar war ich wirklich gut ausgerüstet, aber meine Beine fingen langsam an zu brennen und die Motivation verließ mich langsam. Michi hingegen hechtete auf den Berg wie eine junge Gams. Dazu muss man sagen, dass der Untergrund alles andere als fest war. Es war loses Geröll. Es war zwar weniger schlimm als ich es mir dachte, aber dennoch zu viel für mich. Nachdem ich das letzte steile Stück überwunden hatte, beschloss ich die restlichen 30m nicht mehr durch den Schnee auf den Kraterrand zu klettern, weil es einfach keinen Sinn machen würde. Aber immerhin hatte ich es weit geschafft und konnte einen wudnerbaren Ausblick genießen.

Ich konnte jetzt endlich verstehen, warum „Frodo“ aus „Der Herr der Ringe“ so elendiglich litt, als er auf diesen Berg gestiegen war – so in etwa muss ich ausgesehen haben. Ich muss wirklich dazu sagen, dass ich einfach noch nicht auf viele Berge – keinen -zuvor gestiegen bin und vielleicht wäre es für andere nicht so schlimm gewesen.

Ich würde den Berg jetzt nicht als extrem unschaffbar schwierig einstufen, aber er ist schon zach. Und tatsächlich steigen einige Verrückte tatsächlich mit normalen Turnschuhen auf den Berg, das würde ich auf keinen Fall tun. Es ist einfach viel zu viel Geröll und man bekommt dann keinen guten Halt. Also es stimmt auf jeden Fall, dass es genügend Leute gibt, die den Berg unterschätzen und genug Leute die dort besser nicht rauf sollten. Ich persönlich würde mich als grenzwertig bezeichnen, nun: Ich hab jetzt mehr Erfahrung als vorher, hätte aber vielleicht schon auf der Hälfte umdrehen sollen. Aber es war ein einmaliges Erlebnis und irgendwie bin ich schon glücklich, dass ichs gemacht hab, weil die Aussicht einfach wunderschön war.

Irgendwie kamen wir dann auch wieder runter – rutschend und laufend. Also ca. 2,5 h rauf (Leni-Tempo) und eine halbe Stunde im Galopp oder am Hintern runter. Aber die eigentliche Herausforderung war es jetzt weitere 5-6 Stunden zu wandern. Der nächste Abschnitt war zum Glück sehr flach und man konnte die Atmosphäre von Vulkanen umgeben zu sein, voll genießen. Dann ging es hinauf zum Red Crater – kein Stress wenn man schon am Mt. Doom war, dann runter zu den Emerald Lakes und dann zur Blue Lake. Es war einfach faszinierend und atemberaubend schön – wiedereinmal – wie alles in Neuseeland.

Ab den Blue Lakes, wurde es jedoch etwas eintönig und im Nachhinein sind wir uns einig, dass wir an diesem Punkt auch umdrehen hätten könnten, denn bis auf etwas Rauch in der Luft (von einem aktiveren Vulkan) und ein wenig „faule-Eier-Gestank“, passierte nicht mehr viel. Es ging einfach nur noch Berg abwärts. Es wollte gar nicht enden, irgendwann fing ich an zu laufen in der Hoffnung, dass der Weg kürzer werden würde – er blieb aber gleich lang und eintönig. Einzig erfrischend, war es als wir uns plötzlich in einem Regenwald wiederfanden, aber auch dieser Abschnitt zog sich und war bald nicht mehr aufregend.

12 Stunden später (10,5 h reine Wanderzeit) kamen wir endlich bei unserem Auto an, das Gott sei Dank nicht aufgebrochen wurde, wie uns viele gewarnt hatten.

Das war ein Tag und ein Erlebnis, dass ich noch 2 Tage in meinen Beinen spüren durfte. Also wenn jemand von euch mal dort sein sollte – unbedingt machen! Danach kann man sich ein Puntigamer, Gösser oder Zipfer genehmigen, das man in weiser Voraussicht bei Countdown gekauft hat.

Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Westen zum Taranaki, der mit Sicherheit auch wunderschön gewesen wäre zum Umrunden oder Besteigen, aber es regnete. Was für ein Pech – also für Michi wirklich, ich war doch etwas dankbar. So konnte ich nämlich ohne schlechtes Gewissen, im Auto sitzen und entspannen. Das schlechte Wetter trieb uns gegen Süden nach Wellington, wo wir mit einer Nachtfähre endlich (!) auf die „magical“ Südinsel übersetzen sollten. Wellingtion war eine sehr sympathische Stadt und es wäre sicher sehr nett gewesen, hier 2-3 Tage zu verbringen.

Unsere Fähre (245 NZD für Caravan, Michi und Leni) fuhr um 2.30 in der Früh! Daher beschlossen wir erstmalig auf dieser Reise ins Kino zu gehen, um irgendwie die Zeit rumzuschlagen. Auf dem Schiff wurde uns dann bewusst, dass wir bei Tag sicher mehr von der Umgebung gesehen hätten und auch vom nächsten Tag (dem ersten Tag auf der Südinsel) mehr gehabt hätten. Aber das Ticket war um 70 NZD billiger als das Tagesticket und die Tickets waren rar, da eine Fähre nicht mehr wollte und ihren Geist aufgegeben hatte und beschloss erst wieder im Februar 2014 zu fahren. Also falls ihr nach Neuseeland fahrt – kauft euch schnell die Fährentickets!

Da ich gerade etwas im Zeitdruck bin, werde ich versuchen mich kurz zu halten.

In den ersten zwei Tagen erkundigten wir die Weinregion um Marlborough – wudnerschön, tranken den anscheinend teuersten, aber auch besten Souvignon Blanc der Welt „Cloudy Bay“ und saßen regenbedingt im Auto.

Dann machten wir einen 23,2 km Walk am Queen Charlotte Track und das ohne auch nur einen Cent zu bezahlen – wir parkten unser Auto am Kenepuru Sattle (davon wird auf Grund von Einbrüchen abgeraten -aber uns ist nix passiert), marschierten bis zum Endeavour Inlet, jausneten und wanderten wieder zurück. Dafür brauchten wir 5,5 Stunden und besiegten damit die Zeittafeln, um 2,5 Stunden.

Heute sind wir in Nelson (wirklich sehr herzeigenswürdige Stadt) und planen unseren Ausflug und unsere Wanderung im Abel Tasman  National Park.

Ein Gedanke zu „Einfach „magical“ – Unser Weg auf die Südinsel“

  1. Wenn ich eure Bilder so analysiere, ihr macht einen total guten Eindrudck. Aus euren Gesichtgern lässt sich sehr viel Positives ablesen. Das macht aber sicher nicht nur die wunderschöne Landschaft aus. Euch geht es, davon bin ich überzeugt, total gut. Ich freue mich schon auf eure Rückkehr.

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